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Verlegevorschriften für Lichtwellenleiter (LWL)

Vorbereitungsarbeiten

Nach dem Einziehen oder Verlegen von Glasfaserkabeln müssen die beiden Kabelenden verarbeitet werden. Das Aufschalten von Glasfaserkabel ist ausschliesslich durch ausgebildetes Fachpersonal vorzunehmen. Die Verarbeitung der Kabelenden muss mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt werden, stellt sie doch in der Praxis die häufigste Fehlerquelle dar. Ursachen dafür sind:

  • Beschädigung von Kabelelementen durch ungeeignetes Werkzeug oder unsachgemässes Verarbeiten.
  • Knickung der Hohl- / Bündelader durch zu enge Biegeradien.
  • Quetschung der Hohl- / Bündelader durch überhöhte äussere Krafteinwirkung wie Betreten, Einklemmen oder Belastung durch andere schwere Kabel.
  • überdehnung der Hohl- / Bündelader durch Zugbeanspruchung.
  • Schlechte Spleisse durch Verschmutzung oder durch Einwirken von Feuchtigkeit.
  • Beschädigung der Faser oder deren Primärschutz durch Kanten etc.
  • Verwechslung der zu verspleissenden Fasern durch unterschiedliche Farbcodes oder unklare Planunterlagen.

Vor dem Öffnen der Kabel muss deshalb der Vorbereitung und der Umgebungsbedingungen genügend Rechnung getragen werden.
Die Arbeiten müssen in sauberer Umgebung möglichst staubfrei ausgeführt werden. Bei Gefahr von Wassereintritt z.B. in einem Kabelschacht sind die Kabelenden herauszuführen, so dass in relativ trockener Umgebung gearbeitet werden kann. Die dadurch entstehende Kabelmehrlänge muss nach der Montage in der Baugrube unter Einhaltung des minimal geforderten Biegeradius gelagert werden.

Arbeiten im Freien

Oft ist es notwendig um die Arbeitsstelle ein Zelt aufzustellen, um die Montagearbeiten durch Regen oder Verschmutzung nicht zu gefährden.
In den folgenden Kapiteln wird auf die einzelnen Schritte bei der Kabelverarbeitung eingegangen. Die Ausführung basiert auf der Verarbeitung von Bündeladerkabel bei Muffenmontage oder Aufschalten von Kabelenden in Kabelendverteilern.
Erfolgt an den Kabelenden eine direkte Steckermontage oder werden vorkonfektionierte Kabel verwendet, sind die jeweiligen Installationsvorschriften zu beachten.

Öffnen des Kabelmantels

Bevor der Kabelmantel geöffnet wird, ist das Kabelende, welches z.B. durch die Benutzung eines Ziehstrumpfes bei der Verlegung beschädigt wurde, auf einer Länge von 2-3 m zurückzuschneiden.

Für die Muffenmontage oder das Aufschalten im Kabelendverteiler sind die Kabelenden nun wie folgt zu bearbeiten:

  • Reinigen des Kabelendes von Schmutzpartikeln und Markieren der geforderten Absetzlänge auf dem Kabelmantel.
  • Öffnen bzw. Einschneiden des Kabelmantels an der Stirnseite mittels Kabelmesser auf einer Länge von ca. 10 cm bis auf die Kabelseele.
    Bemerkung: Bei Aussenkabeln befinden sich die Aufreisszwirne unter dem orangen Längsstreifen.
  • Erfassen der unter dem Kabelmantel liegenden Aufreisszwirne mit einer Klemmzange. Die Aufreisszwirne sind soweit aus dem Kabelmantel herauszuziehen, dass sie anschliessend mit zwei Zangen gleichzeitig gefasst werden können.
  • Erfassen der beiden Aufreisszwirne und Auseinanderziehen der beiden, so dass sich der Kabelmantel im «Bananenschalen Prinzip» auf der geforderten Absetzlänge (2-3 m) öffnet.

Öffnen des Kabelmantels
Öffnen des Kabelmantels

  • Beide Mantelhälften am Öffnungsende mittels Seitenschneider abschneiden.
  • Aramid- oder Glasgarnbespinnung entfernen.
  • Blindelemente bei der Absetzmarke und allfälliges Stützelement bis 30 cm vor der Absetzmarke zurückschneiden.
  • Schliesslich die Hohl- / Bündelader bei gefüllten Aussenkabeln von Petrolat entfernen (ist bei Kabeln mit Quellelementen für die Längswasserdichtheit nicht notwendig, Montagevorteil!)
  • Aderdrall bei verseilten Bündeladerkabel mit Heissluftföhn glätten.

Beim Glätten der Adern mit Heissluft ist unbedingt ein genügend grosser Abstand zu halten, damit die Adern nicht beschädigt werden.

Glätten der Adern mit Hei&szuml;luft
Glätten der Adern mit Heissluft

  • Bündeladern entsprechend der Zählweise numerieren.
  • Aufbringen des Kabelabschlusses in Form von Schrumpfrohren oder/und Dichtungsbänder unmittelbar nach der Absetzmarke. Vorsicht vor Überhitzung der Adern bei thermischer Abschrumpfung!
  • Kabelende bei der Absetzmarke in Muffenhalbschale einlegen (siehe auch Montageanleitung des Muffenlieferanten) oder an der Rückwand bei Schrankeintritt mittels Kabelschelle befestigen.
  • Stützelement und Zugelemente an dafür vorgegesehene Briden der Zugabfangung befestigen.
  • Einlegen der Adern geordnet in dafür vorgesehenen Muffenbereich oder geschützt in Flexrohren bis zum Kabelendverteilereintritt. Dabei sind die Mindestbiegeradien zu beachten!

Enthält das Glasfaserkabel metallene Elemente, so sind diese an der dafür vorgesehenen Stelle vorschriftsgemäss zu erden. Allfällige Kupferpaare sind vor dem Entfernen der Aderhülle mittels Würgespleiss zu verbinden und an der Muffenunterseite abzulegen (Fehlerortung bei eingedrungener Feuchtigkeit).

Entfernen der Aderhülle

Je nach Adertyp und -durchmesser ist zum Absetzen der äusseren Faserhülle das geeignete Werkzeug zu verwenden.
Die Absetzlänge der Faser beträgt bis auf wenige Ausnahmen ca. 1.2 bis 1.6 m. Dies entspricht 3 bzw. 4 Windungen in der Spleisskassette.

Absätzlängen: Adern - Fasern
Absetzlängen: Adern - Fasern

Die Aderhülle wird in Stücken von maximal 30 cm Länge abgesetzt. Der hierzu verwendete Idealschneider wird vorher auf den Aussendurchmesser der Hülle eingestellt, so dass die Hülle nur angeritzt (und nicht durchschnitten!) wird. Die angeritzte Hülle wird durch eine vorsichtige Biege-Drehbewegung gebrochen und abgezogen.
Nach dem Absetzen der Hülle werden die Fasern mit einem weichen Tuch unter Verwendung von Alkohol vom Gel gereinigt. Anschliessend ist die Bündelader ans Absetzende am Eintritt der Spleisskassette in einem Kamm oder mittels Kabelbinder zu befestigen. Die Fasern sind zum Schutze in der Spleisskassette geordnet, unter Berücksichtigung des minimalen Biegeradius eingelegt!
Bei diesen Arbeiten ist höchste Sorgfalt geboten, denn die Fasern dürfen auf keinen Fall dabei verletzt werden.

Ein Faserbruch kann im Kanalbereich zur Auswechslung einer ganzen Kabellänge führen. 

Entfernen der Primärbeschichtung

Die Primärbeschichtung von Glasfasern besteht aus einer ein- oder zweilagigen UV-Lackschicht (Acrylharz). Das Entfernen dieser Primärbeschichtung (Coating) geschieht auf einer Länge von etwa 50 mm vom Faserende aus.

Absetzmasse in mm des Primärcoating
Absetzmasse in mm des Primärcoating

In der Vergangenheit wurde die Primärbeschichtung chemisch, thermisch oder mechanisch entfernt.

Heute wird praktisch nur noch das mechanische Abstreifen verwendet!

Dabei ist wie folgt vorzugehen:

  • Faser in den Präzisionsabstreifer einführen und diesen betätigen.
  • Faser zurückziehen, dabei muss die Primärbeschichtung restlos entfernt sein.
  • Faser mit Alkohol reinigen.

Trennen der Faserenden

Die Faserenden werden mit speziellen Fasertrenngeräten abgetrennt.


  • Bei Gradientenfasern darf der dabei entstehende Endflächenwinkel 3° nicht überschreiten.
  • bei Einmodenfasern wird sogar ein Endflächenwinkel von weniger als 1° gefordert.

Zur Erzielung von Schnitten mit weniger als 1° Endflächenwinkel sind hochpräzise Trenngeräte, welche nach dem Biege-Ritz-Prinzip arbeiten, erforderlich.

Bei diesen Fasertrenngeräten wird mit:

  • definierter Zugspannung und
  • definiertem Biegeradius

die Glasfaser über den Amboss des Gerätes gebogen und mit Hilfe eines Diamanten oder Hartmetallmessers angeritzt. Ausgehend von dieser Einkerbung bricht die Faser bei Einstellung der richtigen Werte mit einer ebenen senkrechten Fläche.

Fasertrenngerät für Einmodenfasern
Fasertrenngerät für Einmodenfasern

1. GF mit Primärbeschichtung 5. Amboss
2. GF-Klemmbacken 6. Schneide
3. Absetzkante
    Primärbeschichtung
7. Führungsnut
4. GF ohne Primärbeschichtung

 

Arbeitsgang der Fasertrennung mit dem Trenngerät:

  • Gereinigte primärbeschichtete Faser in das Schneidgerät einlegen.
  • Die Absetzkante der Primärbeschichtung muss mit der inneren Kante des linken GF-Klemmbackens abschliessen.
  • Die Faser muss gleichmässig auf dem Amboss (5) ruhen und bis hin in die rechte Führungsnut (7) ragen.
  • Faser links der Führungsnut (7) mit der Hand festhalten und den Tasthebel des Gerätes herabdrücken. Die Schneide (6) senkt sich auf die Glasfaser.
  • Mit einem hörbaren Klicken wird die Faser getrennt.
  • Nun sind die Faserreste im Gerät mit einer Pinzette zu entfernen und der Schmutz auf der Schneidfläche mit einem Pinsel zu beseitigen.

Achtung! Lichtwellenleiter ohne Coating splittern sehr leicht.
Die Splitter können tief in die Haut eindringen!

Die hohen Forderungen an ein Fasertrenngerät sind deshalb zu stellen, weil Schnittwinkelfehler starke Auswirkungen auf die Spleissdämpfung haben

Vorbereitete Faserenden
Vorbereitete Faserenden

Vorbogen
Vorbogen

Endflächenkontakt
Endflächenkontakt

fertige Spleissverbindung
fertige Spleissverbindung 

Fasergeometrie bei Schnittwinkelfehler

Anschliessend sind die Faserenden unmittelbar zu verspleissen und in der Spleisskassette mittels Spleissschutz geordnet einzulegen. Dabei ist zu beachten, dass ein Biegeradius von 25 mm nicht unterschritten wird und dass die Faser keine blanken Glasstellen aufweist. (Korrosion durch Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche)

Abschlussarbeiten

Nach erfolgtem Verspleissen der Faser sind die Bündeladern geordnet und möglichst kräftefrei in die dafür vorgesehenen Reserveräume einzulegen.
Ein wichtiges Augenmerk ist der Beschriftung von Glasfaserstrecken zu widmen. Die jeweiligen Kabel, Bündeladern und Faserenden sind jeweils gut sichtbar zu beschriften. Dabei sind vorteilhaft die gleichen Bezeichnungen wie im Spleissplan zu verwenden. Allfällige änderungen oder Korrekturen sind vor dem Ausmessen der Kabelstrecke auf den Spleissplan zu übertragen.

 

DEL-Notiz